Höreckes Naturerfahrung, die ihre künstlerische Umsetzung in seiner Bilderfahrung findet, vollzieht sich auf verschiedenen Ebenen. Mit dem ständigen Bemühen um das Phänomen der Natur-/ Landschaft verbindet Hörecke eine persönliche Leidenschaft. Selbstbewußt betont er dabei den Recherche- Charakter seiner Malerei mit dem Ziel einer persönlich- malerischen Erschließung des Landschafts- und Naturraumes. Mit spezifischen Mitteln hat Hörecke den Natur- und Kunstbegriff über verschiedene individuelle Gestaltungsformen von Farben, Linien, Zeichen und Symbolen neu bedacht, der „Nachahmung“ des Konkreten im Landschaftsbild die Ausdrucksweite seiner künstlerischen Befindlichkeit verliehen und versucht, das „wie“ seiner Gegenstandsgebundenheit zum Träger des Gedankens und der mit ihm verbundenen Abstraktion werden zu lassen.


Betrachtet man die verschiedenen Schritte, so fällt auf, daß Hörecke zu Beginn versucht hat, aus der Anschauung ein möglichst naturgetreues Abbild mit zeichnerischen Mitteln zu finden. Als Aufbruch in der Entwicklung muß es empfunden werden, wenn er sich im Anschluß daran mit dem Landschaftshorizont auseinandersetzte und dabei erste Schritte in Richtung Abstraktion machte. Der Horizont bleibt als Gegenstand (noch) Ausgangspunkt der malerischen Gestaltung. Eine Weiterentwicklung stellen die Lautbilder dar, die eine gewisse Abkehr vom Beschreibenden hin zum Analytischen aufweisen und bereits keine Gegenständlichkeit mehr darstellen. Mit den naturalistischen Landschaftsaquarellen erfolgt wieder eine Rückbesinnung auf die Wurzeln der malerischen Naturwiedergabe, in der das nachahmende Kunstwollen die Forminhalte den Sachinhalten anpaßt. Ein bedeutsamer Schritt erfolgt mit den Schreit- und Schleifbildern, in denen sich Höreckes intensive Empfindung und Erfahrung der Natur-/ Landschaft weiter steigert. Der Landschaft wird Subjektivität zuerkannt, die eine Art Partnerschaft eröffnet, in der in Mitarbeit oder gar Mitautorenschaft der Malakt gestaltet wird. Höreckes Credo, daß sich seine Kommunikation mit der Umwelt über die Landschaft vollzieht, läßt diese zum existentiellen Bezugspunkt seiner Identität avancieren. Die darauffolgenden Arbeiten erweitern die Natur-/Landschaftsdarstellungen über den kalkulierten Zufall der Feuerentwicklung um eine Ebene der Abstraktion. In den romantischen Naturbetrachtungen nimmt die Landschaft in stark abstrahierter Form den Charakter von Seelenlandschaften an, die das Innenleben nach außen projezieren, über die psychische Befindlichkeit Auskunft geben und gleichzeitig den Betrachter zur Kontemplation einladen. Greift man zurück auf die Naturbilder, so ergibt sich daraus nicht sofort und unmittelbar eine eindeutige Bezugsmöglichkeit. Bildelemente tauchen wie Erinnerungen aus der Fläche auf und entfalten gleichzeitig ihre Veränderungen, wodurch der Eindruck von Beliebigkeit entstehen kann. Damit sind aber, wie Hörecke sagt, „die Grundstrukturen von Zeitlichkeit und Vergänglichkeit umrissen.“


In den lyrischen Abstraktionen wird ein anderer Gesichtspunkt augenfällig. Die ästhetische Spannung ergibt sich durch die Konfrontation des Malers mit einem Naturereignis, einer bestimmten Naturerfahrung mit der malerischen Visualisierung. Die Brücke von Lebenswirklichkeit und Kunst droht manchmal zu brechen. Hörecke versucht jedoch fortwährend diese Brücke noch weiter zu spannen. Der Gegensatz zwischen Wirklichkeit und Bildwirklichkeit wird von Hörecke nicht geleugnet, sondern in freier Komposition neu sinnstiftend inszeniert. Dies bedeutet gleichzeitig, daß eben nicht die verschiedenen- sei es romantisch oder impressionistisch- eingefangenen Momente einer Naturerfahrung in der subjektiven Sicht des Künstlers wiedergegeben werden. Gerade dieser systematisierende Zugriff auf die Wirklichkeit ist der Kunst heute nicht mehr möglich. Denn sie steht nach Ansicht Höreckes „in Konfrontation mit dieser Wirklichkeit und als malerisches Äquivalent für Naturerfahrung“. Er schafft, wie Hörecke dazu weiter ausführt „ein malerisches Äquivalent“ für Naturerfahrung. Nicht das Naturereignis selbst ist (sein) Gegenstand. Zur Schaffung dieser ambivalenten Erfahrungsstruktur ist die eben skizzierte Malweise zwingend notwendig, also eben nicht beliebig. Durch sie gelingt es über die Anspielung auf unsere Natur, die ästhetische Brücke zu unserer Wirklichkeit durch malerische Grundstrukturen offen zu halten, während gleichzeitig die spezifischen, jeweils unterschiedlichen Erfahrungen auslösenden Stationen nicht prägnant darstellbar sind.“ Diese potentielle Undarstellbarkeit leuchte auch auf in der ethymologischen Wurzel des Wortes
„Erfahrung“. Einerseits handle es sich hierbei um einen transitorischen Begriff für Reisen (Zeit- Reise), andererseits sammle man einen Erfahrungsschatz, indem man Erfahrung gewinne und besitze. Diese Ausführungen zu seinem Werk weisen zugleich erneut auf eine Dualität hin, die seinen Bildern innewohnt- die Dualität von Zeit und Unzeitlichkeit.