Höreckes Bilder werden häufig als „schön“ bezeichnet, lassen sich aber nicht nur auf „schön“ reduzieren. Schon Augustinus hat die interessante Frage gestellt: gefallen uns die Bilder, weil sie schön sind oder sind sie schön, weil sie uns gefallen? Diese Frage muß- auch auf Hörecke angewendet- unbeantwortet bleiben, schon weil das „Schöne“ einem Wandel unterliegt und immer wieder neu bestimmt werden muß.

Die Frage nach Höreckes Ästhetik kann nur in Form einer Annäherung beantwortet werden. Hörecke stellt auf seine Weise die Frage nach Sinnlichkeit in der Malerei. Er vertritt keine dekorative Haltung, vielmehr ist seinen Bildern Ursprünglichkeit, Ausdruckskraft und Inhaltsschwere eigen. Er sucht weder den Gleichklang der Formen und Farben noch eine Ausgeglichenheit der Bildelemente. Von Wiederholungen von Formen distanziert er sich. Höreckes Bilder sind im Gegensatz zum gefällig Dekorativen nicht ohne ernstes Anliegen und unterliegen nicht dem Wunsch nach „was wirkt“.


Aber fest steht auch, daß man sich der Anziehungskraft von Höreckes Bildern nur schwerlich entziehen kann. Auch wenn sie manchmal in die Nähe des Dekorativen gelangen, so wird doch sogleich die entschiedene Abgrenzung zum Dekorativen deutlich. Soweit Höreckes Bilder überhaupt dekorativ anmuten, handelt es sich um dekorativ im Sinne eines friedvollen und versöhnlichen Inhalts, was sich -Seelenruhe vermittelnd- auch auf den Betrachter überträgt. Dabei wirkt er weder musterhaft, noch weist er einen „ikonographischen Leerlauf“ auf. Das Hermetische in der abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts muß man „mit List vermitteln, denn die Wahrheit muß schön sein, damit sie verzaubert“, wie Berthold Brecht einmal treffend sagte. Ein sinnlicher Einstieg soll auch in Höreckes Bildern den Schlüssel bilden, um jene Codes zu entziffern, die ihm und uns ein Universum verstehen und erleben helfen. Dabei marginalisiert die Form den Inhalt nicht. Dieses ausgewogene Verhältnis bestimmt seine Malerei. Sie durchmißt eben alle Dimensionen vom Geistigen bis zum Affektiven. Hörecke präsentiert uns das Schöne nicht im Sinne einer dekorativen Verspieltheit, das zur bloßen äußeren Pracht übersteigert ist, sondern um uns damit ins Innere und Verborgene zu führen.

Das Schöne entlarvt sich nicht als geschmäcklerisch, sinnentleert oder gar anbiedernd. Theatralik liegt ihm ohnehin fern. Es wird von Hörecke als künstlerisches Gestaltungsmittel eingesetzt, mit dessen Hilfe er den Betrachter in seinen Bann zieht und ihn in seinem ästhetischen Empfinden anspricht. Hörecke widerspricht aber zugleich der Erwartung von Schönheit. Hinter dem Schönen verbirgt sich bei ihm ein komplexes Denken. Höreckes Ästhetik wird projeziert auf den Inhalt, der damit leichter auf den Betrachter transportiert werden kann. „Über die Sinne zum Sinn“ hieß deshalb ein Beitrag zu einer Ausstellung Höreckes.

In der Aussparung des oberflächlich Gefälligen sowie in der Konzentration auf eine zu initiierende Erfahrung liegt der Reichtum des geistigen Genusses seiner Malerei. Darin unterscheidet sich Höreckes Malerei von den banalen Überflußprodukten bloßer Unterhaltungsindustrie oder des Kitsches. Das Behagen beim „interesselosen Wohlgefallen“ seiner Bilder wird jedoch gestört, wenn sich die schöne Form an der rauhen Wirklichkeit des Inhalts reibt. Höreckes Malerei lebt mit diesem Widerspruch zwischen dieser besonderen Schönheit seiner Bilder und den Problemen der Wirklichkeit und bezieht aus dieser Dialektik ihre künstlerische Bedeutung. Kurzum: Höreckes Bilder sind schön, verbrauchen sich aber nicht. Zwischen den beiden Polen „schön, weil wahr“ und „zu schön um wahr zu sein“ versucht Hörecke diesen alten ästhetischen Konflikt zu lösen.