Wie in den Werkphasen im einzelnen gezeigt, trifft man immer wieder auf Fragmentarisches in Höreckes Werk. Seine Absicht bestand darin, zwar ansatzweise naturalistische Bildpartien zu zeichnen, den Rest jedoch verschwommen, schemenhaft und rudimentär zu belassen. Darin äußert sich Höreckes Weltverständnis, zielt er doch dabei darauf ab, daß sich die Darstellung mit ihrer Wahrnehmung überlagert, will also zugleich das wahrnehmende und das imaginative Sehen
vermengen. Dies wiederum entspricht ganz dem romantischen Geist, der u. a. in Schlegels. Athenäumsfragment zum Ausdruck kommt: „Die romantische Dichtart ist noch im Werden; ja es ist ihr eigentliches Wesen, daß sie ewig nur werden, nie vollendet sein kann.“ Im Fragment, das sowohl für das Unvollendete als auch das Unvollendbare steht, wird realisiert, „was in der Wirklichkeit immer nur angestrebt werden kann: die Verbindung des In- der- Welt- Seins mit dem Über- der- Welt- Stehen“. Der ästhetische Reiz des Fragments liegt darin, daß es im Gegensatz zum Vollendeten noch Raum für Inspiration läßt. Damit bleibt der faszinierende Zwiespalt aus kühler Perfektion und der offenen Form des Rudimentären erhalten.