Einige Kunsthistoriker verkünden stolz, daß es im heutigen Kunstschaffen der Postmoderne nicht mehr um Transzendenzerfahrung, also eine Erfahrung in die unmittelbare Erlebbarkeit des Absoluten, gehe. Die Postmoderne habe sich von metaphysischen Fesseln befreit.  Das mag für verschiedene Künstler gelten; Hörecke scheint anderer Auffassung zu sein. Er geht davon aus, daß unsere technikgläubige postindustrielle Gesellschaft Naturzerstörung, Relativieren und Gottlosigkeit fördern und dadurch ihre eigenen materiellen, ethischen und geistigen Fundamente untergrabe. Dagegen artikuliert Hörecke sein Bedürfnis nach Geistigem und Metaphysischen. Natürlich kommt auch bei Hörecke das Göttliche nicht mehr in der traditionellen christlichen Form vor. Aber gegen den Relativismus setzt er die Selbstmaßstäblichkeit seiner Malerei. Den Verlust der Transzendenz bekämpft er mit seinen Bildern, die immer das Geistige beinhalten.

Die seit der Aufklärung zum Prinzip erhobene Spaltung von Natur und Geist überwindet er auf aktive, passive und formale Weise. Einerseits gibt er die Natur-/ Landschaft in abstrakter und damit geistiger Umsetzung wieder (vgl. die Horizontbilder). Andererseits liefert er sich der Natur aus, wenn er ihr Subjektivität zuerkennt und sie in den Schleifbildern als gleichberechtigter Partner anerkennt. Zudem bezieht er seine künstlerische Inspiration und kreative Kraft im wesentlichen aus dieser Natur-/ Landschaft. Auch bei Hörecke ist die Sehnsucht nach einer Verbindlichkeit von Kunst, die jener der Religion in der vormodernen Ordnung entspricht, zu entdecken. Aufgrund der Vielfalt religiöser Erfahrungen und der Subjektivität religiösen Bewußtseins stellt sich auch in Höreckes Malerei die Frage nach dem Verhältnis zwischen dem Bedürfnis nach Kunst, Religion und Philosophie des Menschen, der unterbewußt nach Selbstüberschreitung strebt. Anspielungen auf Christliches, die jüdische Kabbala oder auf den Buddhismus sind in seinen Bildern enthalten, wobei dahin gestellt bleiben kann, ob es sich um eine transzendierende Selbsterfahrung handelt, die an die Stelle traditioneller Gotteserfahrung tritt.


Nach Paul Tillich gibt es drei Wege hinter die Dinge zu schauen, um das Wirkliche in der Wirklichkeit, durch die Wirklichkeit und über die Wirklichkeit zu erkennen und auszudrücken: Es sind dies Philosophie, Kunst und Religion. Während Philosophie im Bereich der reinen Vernunfterkenntnis bleibt, liefert die Kunst kreativ Weltentwürfe und die Religion sucht Sinngebung für die Existenz und das Handeln des Einzelnen. Dabei können Bilder religiös sein, ohne daß sie ausdrücklich eine religiöse Thematik aufnehmen. Dies ist der Fall, wenn eine Art sinnlicher Transzendenzerfahrung die Basis und Element des sinnlich- geistig Höheren ist. So gesehen haben auch Höreckes Bilder einen „religiösen“ Bezug, indem sie das Spannungsfeld zwischen dem Sichtbaren und Unsichtbaren durch die Natur überbrücken. Das ermöglicht zweierlei: Einmal bedingt die plurale ästhetische Erfahrung das „what you see is what they say“. Es steht nicht mehr unter dem Legitimationsdruck eines zwanghaften Sinnverstehens und läßt ein unverkrampftes Sinnerleben zu. Diese anschauende Erkenntnis läßt unausdenkbar viele Wege parallel offen. Zum anderen könnte in diesem Spannungsfeld zwischen dem Sichtbaren und Unsichtbaren aber auch etwas Mystisches gesehen werden, das mit sprachlichen Mitteln nicht zu erklären ist. Denn es handelt sich hierbei um eine den Verstand und das Bewußtsein überschreitende Erfahrung, die die Trennung von Mensch und Gott aufhebt.

Das Charakteristikum der Mystik ist die Reduktion von Religion auf die Subjektivität, auf das Gefühl. Es richtet sich damit gegen jede Religion als ethisches System, ebenso gegen die Religion als Institution und Ritual. Das in diesem weitesten Sinn verstandene Religiöse ist auch in Hörecke vorhanden. Obgleich er kein religiöser Maler oder Metaphysiker ist, bildet die hier beschriebene Art von Religiosität die Voraussetzung für eine bestimmte menschliche Vereinigungssehnsucht und für den Drang zum Transzendenten. In der formalen Bewältigung der Annäherung an das Transzendente bedient sich Hörecke einer Ikonographie, die sich uns über die verschiedenen Erscheinungs- bzw. Darstellungsformen der Natur-/ Landschaft mitteilt. Über die entsprechenden Metaphern und Zeichen läßt er uns teilhaben an diesem Erkenntnis- und Erfahrungsprozeß. So „schreitet“ er schon bevor er seine Schreitbilder malte auf diesem Weg. Auf die semantische Verknüpfung des Schreitens mit dem Gedanken des Weges und der Linie sei hingewiesen. Auch die häufige Verwendung von Fragmenten in seinen Bildern ist Ausdruck einer Suche, da dem Fragment eine virtuelle Bewegung zur Einheit innewohnt. Das Schreiten und das Fragment stehen auch für innere Unruhe, einer Suche zu sich selbst. Dieser Weg nach innen und zu sich ist zugleich eine Suche nach dem Transzendenten, nach dem Zustand ursprünglicher Vollkommenheit, ein Keim, der auch Höreckes Schöpfertum treibt.